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8. Kapitel (10)

Pisa war den Ghibellinen stets treu geblieben und dem Kaiser wohlgesonnen; durch dessen Tod sahen sie sich schutzlos in die ihren Feinden, den Florentinern, ausgeliefert. Daher willigten sie gerne in die moderaten Bedingungen ein, die ihnen der König von Neapel und sein Verbündeter, Florenz, für den Frieden in der Toskana angeboten hatten. Wäre dieser Vertrag erfüllt worden, wären die Hoffnungen der Ghibellinen für immer zunichtegemacht worden, und Castruccio wäre nie in sein Land zurückgekehrt, und allen Beteiligten wäre viel Blutvergießen erspart geblieben. Florenz wäre Italiens Friedensengel gewesen. Die Ereignisse nahmen jedoch eine andere Wendung. Um dies zu verstehen, muß man zurückblicken.

8. Kapitel (9)

Während dieses langen Kampfes war Florenz der Mittelpunkt des Widerstands gegen den Kaiser. Ihre Abneigung gegen die kaiserliche Macht und ihre Befürchtungen vor einer Rückkehr der verbannten Ghibellinen spornten die Bewohner dazu an, alle Kräfte zu mobilisieren, um Verbündete zu gewinnen und ihre eigene Stadt zu verteidigen. Der Tod Heinrichs war für sie ein unblutiger Sieg; und sie hofften, daß eine rasche Wende in der italienischen Politik die allgemeine Vorherrschaft der Welfen sichern würde.

8. Kapitel (8)

Dadurch blieb Italien hinsichtlich der Vorherrschaft der Welfen fast in derselben Lage zurück wie zuvor, allerdings war die politische Stimmung jetzt noch aufgeheizter als bei seiner Ankunft zwei Jahre zuvor.

8. Kapitel (7)

Heinrich verließ Cremona und widmete sich der Belagerung von Brescia, das sich heldenhaft verteidigte und sich dann im September zu ehrenhaften Bedingungen ergab. Castruccio diente während der Belagerung unter dem Kaiser, aber er war entsetzt über den Mangel an Glauben und die Grausamkeit dieses Monarchen, der seine Feinde grausam bestrafte und auch seine Freunde behandelte, als wären sie seine Feinde gewesen. Castruccio beschloß daher, aus der kaiserlichen Armee auszutreten, und als Heinrich die Lombardei verließ und nach Genua weiterzog, blieb er bei seinem Freund Galeazzo Visconti. Die Kleinkriege in der Lombardei konnten nur die interessieren, die in sie verwickelt waren. Alle Augen waren auf den Kaiser gerichtet, als er auf dem Weg nach Genua war. Seine Verhandlungen mit Florenz verliefen ergebnislos, er begab sich nach Pisa und dann nach Rom, wo er – da der Vatikan in der Hand der gegnerischen Partei war – im Lateranpalast gekrönt wurde. Und dann, als seine Armee durch Krankhei...

8. Kapitel (6)

Galeazzo liebte Castruccio aufrichtig und vertraute ihm alle Geheimnisse seines Herzens an, aber diese Geheimnisse waren derart, daß sie letzteren in die listige Politik und die skrupellosen Motive des Mailänder Herrschers einweihten und ihn dazu brachten, Verrat und Grausamkeit als verzeihliche Verfehlungen anzusehen. Er besaß nicht die Reinheit und Erhabenheit, die ihm geholfen hätte, die Fehler Galeazzos zu vermeiden. Ehrgeiz war das Gefühl, das seine Seele beherrschte, ein Streben nach Macht, Eroberungen und Ruhm, aber nicht nach Tugend, und dieser Ruhm kann ebenso wie der Phönix nicht zur gleichen Zeit leben wie seine Eltern, sondern erhebt sich aus seiner Asche mit den kräftigen Flügeln eines unsterblichen Wesens.

8. Kapitel (5)

Mit Galeazzo Visconti verband ihn eine aufrichtige und bleibende Freundschaft, aber obwohl diese Freundschaft zu seinem Aufstieg beitrug, litt sein Charakter unter der Seelenverwandtschaft mit seinem Anführer. Während sie miteinander ausritten, jagten oder fochten, wuchs die gegenseitige Zuneigung und erwies sich als uneigennützig, großzügig und beständig.

8. Kapitel (4)

Wenn dieser Vertrag erfüllt worden wäre, wären die Hoffnungen der Ghibellinen für immer zerstört gewesen, und Castruccio wäre nie in sein Heimatland zurückgekehrt. Die Szenen voller Blut und Elend, die nun folgten, wären vermieden worden, und Florenz hätte seinen mildernden Einfluß auf die anderen Staaten der Toskana ausgeübt und wäre in Italien zum Friedensstifter geworden. Doch es kam anders. Um das zu verstehen, muß man zurückblicken. Nach Heinrichs Tod fürchteten die Bewohner von Pisa einen plötzlichen Überfall der Florentiner, auf den sie nicht vorbereitet waren. Sie engagierten einen condottiere, Uguccione della Faggiuola, der mit seiner Truppe aus tausend Deutschen die Stadt schützen sollte. Krieg war das täglich Brot von Uguccione; er fand keinen Gefallen an dem geplanten Frieden und beschloß, ihn zu stören. Die Bewohner der italienischen Städte, die alle irgendwelchen Parteien angehörten und diesen blind ergeben waren, ließen sich leicht dazu bringen, den Gegner anzugreifen....