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8. Kapitel (2)

Die Kleinkriege in der Lombardei konnten nur die interessieren, die in sie verwickelt waren. Alle Augen waren auf den Kaiser gerichtet, als er auf dem Weg nach Genua war, auf seine ergebnislosen Verhandlungen mit Florenz, seine Reisen nach Pisa und schließlich nach Rom, wo er – da der Vatikan in den Händen der Gegner war – im Lateran gekrönt wurde. Und dann kehrte er – seine Armee war von Krankheiten geschwächt und er selbst enttäuscht von den langsamen Fortschritten – in die Toskana zurück, unternahm einen erfolglosen Angriff auf Florenz und zog sich in die Umgebung von Siena zurück, wo er am 18. August 1313 starb. Bei seinem Tod war Italien in fast der gleichen Situation, was die Übermacht der Guelfen betraf, aber die Feindschaft zwischen den Parteien war noch tiefer als bei seiner Ankunft zwei Jahre zuvor.

8. Kapitel (1)

Heinrich verließ Cremona und widmete sich der Belagerung von Brescia, das sich heldenhaft verteidigte und sich dann im September zu ehrenhaften Bedingungen ergab. Castruccio diente während der Belagerung unter dem Kaiser, aber er war entsetzt über den Mangel an Glauben und über die Grausamkeit dieses Monarchen, der seine Feinde mit schrecklichen Torturen bestrafte und seine Freunde behandelte, als wären sie seine Feinde gewesen. Castruccio beschloß daher, aus der kaiserlichen Armee auszutreten, und als Heinrich die Lombardei verließ und nach Genua weiterzog, blieb er bei seinem Freund Galeazzo Visconti.

7. Kapitel (27)

„Ja, ich bedaure sie von Herzen, aber ich habe auch Verluste erlitten. Die erste Horde Deutscher, die in die Stadt eindrang, hat mein Pferd beschlagnahmt und den Wallach meines Knappen. Ich muß neue kaufen, wenn unsere Feinde weg sind, um die Ehre meines Ritterstandes aufrechtzuhalten. Aber genug davon. Ihr, Messer Castruccio, habt den Befehl über eine Truppe italienischer Ritter. Was habt Ihr mit diesen Männern vor? Bleibt Ihr in der Lombardei oder folgt Ihr dem Kaiser in den Süden?“ „Ich richte mich nach den Ereignissen. Ich hoffe, bald selbst zu bestimmen, was geschieht, aber vorerst muß ich mich von den Umständen leiten lassen und kann Eure Fragen daher nicht beantworten.“ Pepi hielt einen Moment inne und sagte dann halb zu sich selbst: „Nein, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Die Dinge sind noch nicht reif, diese Belagerung hat viel bewirkt, aber ich muß noch warten. Nun, Messer Castruccio, im Moment werde ich einige Umstände nicht preisgeben, die ich Euch, als wir dieses ...

7. Kapitel (26)

Bisher hatte Pepi Castruccios Fragen eifrig beantwortet – und das mit einem Ausdruck von Triumph und Eitelkeit, den er vergeblich zu verbergen suchte, ein Lächeln umspielte seine Mundwinkel, und er hatte sich sogar die Hände gerieben. Aber bei Castruccios letzten Worten verdüsterte sich sein Gesicht, die Mundwinkel sanken, er ließ die Schultern hängen und er sagte mit einem Blick auf seine schäbige Kleidung: „Ich bin immer arm, immer vom Pech verfolgt, und Messer Castruccio, Ihr tut mir großes Unrecht, wenn Ihr annehmt, ich sei vermögend. Ich habe einen prächtigen Palast und einen gewaltigen Turm, aber ich kann die Steine nicht essen und mich nicht mit dem Putz bekleiden, und – Gott ist mein Zeuge – meine Ländereien umfassen nur noch fünfzig kleine Hektar. Wie kann ich da reich sein?“ „Wenn Ihr arm seid“, sagte Castruccio, „so teilen die unglückseligen Bewohner der Stadt Euer Schicksal. Ihre Behausungen, seien es Paläste oder Hütten, wurden geplündert und wer der Zerstörungswut des Ka...

7. Kapitel (25)

„Zweifellos“, erwiderte Pepi, aber mit einer unbeschreiblichen Miene, die seinen Begleiter verwirrte. Seine Augen funkelten, und aus seinem Gesicht sprach freudige Aufregung. Doch seine Stimme klang jedoch tief bekümmert, und er stöhnte: „Diese Grobiane verwüsten Euren Palast.“ „Nein, dort gibt es nichts zu verwüsten. Die Mauern sind so dick, daß sie keinen Schaden nehmen können, und alles andere habe ich weggeschafft, bevor sie kamen.“ „Sie verschlingen Euer Essen.“ „Ich habe nichts, was sie verschlingen könnten. Ich bin ein armer, einsamer Mann und hatte gar nichts zu essen im Haus. „Sie bringen ihre Beute hierher; ich schicke meinen Gehilfen los, um Holz zu holen, wo immer er welches findet; ich mache ein Feuer, und sie bereiten ihr Essen zu; und das ist alles, was sie von mir bekommen.“ „Habt Ihr keinen Freund oder Verwandten im Krieg verloren?“ „Es gibt niemanden, den ich liebe, ich habe Pflichtvergessenheit und Undankbarkeit erlebt, aber keine Güte oder Freundschaft, also hätt...

7. Kapitel (24)

Es ist ein Ort der Stärke, und das bißchen, was ich noch auf der Welt besitze, ist hier verwahrt. Ich werde es bewahren, dem Kaiser und seinen Teufeln zum Trotz!“ Der Turm wirkte von außen riesig, aber seine Mauern waren so dick, daß innen nur Platz für eine schmale Wendeltreppe war. Oben angekommen, schob Pepi den Riegel beiseite, stieß eine Falltür auf und sie betraten die Plattform draußen. Der Himmel verdüsterte sich langsam, aber im Westen schimmerte es orange und ringsum erstreckte sich die weite, dämmerige Ebene der Lombardei. Unter ihnen lag die Stadt Cremona, die so still und friedlich wirkte, als ob ihre Bewohner in völliger Sicherheit lebten. Sie schauten ein paar Minuten schweigend vor sich hin, Castruccio auf die weite Landschaft und Pepi auf die dicken Mauern seines Turms. Schließlich sagte ersterer: „Ein böser Stern verfolgt Euch, Messer Benedetto, und ich fürchte, daß Ihr unter einer unheilvollen Konstellation geboren wurdet.“

7. Kapitel (23)

Schließlich entdeckte er ihn – er stand in einer Ecke und füllte große Krüge aus einem Weinfaß. Er sprach ihn in mitfühlendem Ton an, und Pepi blickte mit seinen kleinen hellen Augen auf. Seine Miene zeigte mehr Freude als Kummer. Er erkannte seinen Gast, ließ sein Weinfaß im Stich und führte Castruccio hinaus, denn bei dem Krach, den die ungehobelten Gäste machten, konnten sie kaum ihr eigenes Wort verstehen. Sie stiegen die steile schmale Treppe hinauf, und als Castruccio über das schlechte Licht klagte, sagte Pepi: „Gehen wir nach oben in meinen Turm. Die Sonne ist vor zehn Minuten untergegangen, und auch wenn es sonst überall dunkel ist, ist es dort noch hell. Wartet einen Moment, ich hole den Schlüssel.“ Pepi ging die Treppe hinunter, und Castruccio sah durch eine kleine Luke, wie er den Hof überquerte. Nach ein paar Minuten kam er bedächtigen Schrittes zurück und sagte zu Castruccio: „Diese deutschen Grobiane essen und trinken jetzt und werden uns nicht bemerken. Aber seien wir...