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8. Kapitel (14)

Galeazzo liebte Castruccio aufrichtig und vertraute ihm in die innersten Geheimnisse seines Herzens an; doch diese Geheimnisse waren derart, daß sie letzteren in die listige Politik und die skrupellosen Motive des Mailänder Herrschers einweihten und ihn dazu brachten, Verrat und Grausamkeit als verzeihliche Verfehlungen anzusehen. Er besaß keine rettende Leidenschaft, die ihn durch ihre Reinheit und Erhabenheit – auch wenn sie ihm Vergebung ermöglichte – dazu gebracht hätte, die Fehler Galeazzos zu vermeiden. Ehrgeiz war das beherrschende Gefühl seiner Seele; ein Ehrgeiz nach Macht, Eroberung und Ruhm, nicht nach Tugend und jenem Ruhm, der wie der Phönix nicht zur gleichen Zeit wie sein Elternteil leben kann, sondern aus dessen Asche mit den starken Flügeln eines unsterblichen Wesens emporsteigt.

8. Kapitel (13)

Die drei Jahre, in denen sich all das ereignete, verbrachte Castruccio in der Lombardei. Jedes Jahr unternahm er einen Feldzug im Dienste des einen oder anderen ghibellinischen Herrschers dieses Gebiets und verbrachte den Winter in Mailand. Er schloß eine aufrichtige und dauerhafte Freundschaft mit Galeazzo Visconti; doch obwohl diese Freundschaft zu seinem Aufstieg beitrug, litt sein Charakter unter der geistigen Verbundenheit, die er mit diesem Herrscher entwickelte. Während sie gemeinsam ritten, jagten oder kämpften und sich oft gegenseitig Dienste erwiesen, wurde ihre Zuneigung immer stärker; und sie war ebenso selbstlos und großzügig wie fest.

8. Kapitel (12)

Die Pisaner waren Ghibellinen; und während die Gemäßigteren unter ihnen bei den Friedensverhandlungen bereits weit fortgeschritten waren, ließ Uguccione fünf lebende Adler, die Wahrzeichen der Ghibellinen, durch die Straßen tragen; und der Ruf „Verrat durch die Welfen!“ war der Schlachtruf der Wut für das Volk. Vergeblich bemühten sich die Magistrate, ihre Autorität durchzusetzen; ihre Anhänger wurden zerstreut, ihre Anführer gefangengenommen und hingerichtet, und Uguccione wurde zum General im Krieg gegen die Florentiner ernannt. Dieser tatkräftige Feldherr verschwendete keine Zeit; er marschierte gegen die Luccheser, die Verbündeten von Florenz, verwüstete ihr Land, zwang sie zur Unterwerfung und schloß Frieden mit ihnen unter der Bedingung, daß sie ihre ghibellinischen Verbannten zurückriefen.

8. Kapitel (11)

Unmittelbar nach dem Tod Heinrichs hatten die Pisaner aus Angst vor einem plötzlichen Einfall der Florentiner einen Condottiere, Uguccione della Faggiuola, in ihren Dienst genommen, der mit seiner Truppe von tausend Deutschen die Bewachung ihrer Stadt übernahm. Der Krieg war Ugucciones Handwerk; daher blickte er mit Entsetzen auf den geplanten Frieden und beschloß, ihn zu stören. Die Bevölkerung der italienischen Städte, die sich unter den Namen der Parteien zusammengeschlossen hatte und stets den Parolen und Signalen ihrer Partei gehorchte, ließ sich leicht dazu bewegen, über die gegnerische Fraktion herzufallen.

8. Kapitel (10)

Pisa war den Ghibellinen stets treu geblieben und dem Kaiser wohlgesonnen; durch dessen Tod sahen sie sich schutzlos in die ihren Feinden, den Florentinern, ausgeliefert. Daher willigten sie gerne in die moderaten Bedingungen ein, die ihnen der König von Neapel und sein Verbündeter, Florenz, für den Frieden in der Toskana angeboten hatten. Wäre dieser Vertrag erfüllt worden, wären die Hoffnungen der Ghibellinen für immer zunichtegemacht worden, und Castruccio wäre nie in sein Land zurückgekehrt, und allen Beteiligten wäre viel Blutvergießen erspart geblieben. Florenz wäre Italiens Friedensengel gewesen. Die Ereignisse nahmen jedoch eine andere Wendung. Um dies zu verstehen, muß man zurückblicken.

8. Kapitel (9)

Während dieses langen Kampfes war Florenz der Mittelpunkt des Widerstands gegen den Kaiser. Ihre Abneigung gegen die kaiserliche Macht und ihre Befürchtungen vor einer Rückkehr der verbannten Ghibellinen spornten die Bewohner dazu an, alle Kräfte zu mobilisieren, um Verbündete zu gewinnen und ihre eigene Stadt zu verteidigen. Der Tod Heinrichs war für sie ein unblutiger Sieg; und sie hofften, daß eine rasche Wende in der italienischen Politik die allgemeine Vorherrschaft der Welfen sichern würde.

8. Kapitel (8)

Dadurch blieb Italien hinsichtlich der Vorherrschaft der Welfen fast in derselben Lage zurück wie zuvor, allerdings war die politische Stimmung jetzt noch aufgeheizter als bei seiner Ankunft zwei Jahre zuvor.