8. Kapitel (4)

Wenn dieser Vertrag erfüllt worden wäre, wären die Hoffnungen der Ghibellinen für immer zerstört gewesen, und Castruccio wäre nie in sein Heimatland zurückgekehrt. Die Szenen voller Blut und Elend, die nun folgten, wären vermieden worden, und Florenz hätte seinen mildernden Einfluß auf die anderen Staaten der Toskana ausgeübt und wäre in Italien zum Friedensstifter geworden. Doch es kam anders. Um das zu verstehen, muß man zurückblicken.
Nach Heinrichs Tod fürchteten die Bewohner von Pisa einen plötzlichen Überfall der Florentiner, auf den sie nicht vorbereitet waren. Sie engagierten einen condottiere, Uguccione della Faggiuola, der mit seiner Truppe aus tausend Deutschen die Stadt schützen sollte. Krieg war das täglich Brot von Uguccione; er fand keinen Gefallen an dem geplanten Frieden und beschloß, ihn zu stören. Die Bewohner der italienischen Städte, die alle irgendwelchen Parteien angehörten und diesen blind ergeben waren, ließen sich leicht dazu bringen, den Gegner anzugreifen. Die Bewohner von Pisa waren Ghibellinen und als die Gemäßigteren unter ihnen Fortschritte bei den Friedensverhandlungen machten, ließ Uguccione lebende Adler, die Wappentiere der Ghibellinen, durch die Straßen tragen, und „Verrat der Guelfen!“ wurde der Schlachtruf der Bevölkerung. Die Ratsherren versuchten vergeblich, ihre Autorität geltendzumachen, ihre Anhänger wurden auseinandergetrieben, ihre Anführer gefangengenommen und umgebracht und Uguccione zum Befehlshaber im Krieg gegen die Florentiner erklärt. Dieser tatendurstige Feldherr verlor keine Zeit, er marschierte gegen Lucca, das mit Florenz verbündet war, verwüstete die Stadt, unterwarf die Bewohner und schloß Frieden mit ihnen unter der Bedingung, daß die Ghibellinen aus dem Exil zurückkehren durften.
Die drei Jahre, in denen sich diese Ereignisse abspielten, verbrachte Castruccio in der Lombardei. Er war jedes Jahr auf einem Feldzug unter diesem oder jenem ghibellinischen Anführer dieses Gebietes und verbrachte den Winter in Mailand.

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