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6. Kapitel (19)

Sie haben die beerdigte Freiheit ausgegraben, die starb, als Mailand an die Visconti fiel, sie zwingen ihre eigenen Adligen, gemeines Volk zu werden und Weber und Pelzhändler zu werden, sie ziehen durch die Welt, bereichern sich durch listigen Wucher und kehren zurück und verschwenden das Geld. Herrscht in ihrer Stadt nicht ständig Aufruhr, und ist sie nicht übersät mit den Ruinen der Paläste der vornehmen Ghibellinen? Machen sie nicht an einem Tag alle Handlungen des Tages zuvor ungeschehen und sorgen für immer mehr Sittenverfall?

6. Kapitel (18)

Seine Zügen wurden weicher, und er antwortete zunächst in mildem Ton, doch dann riß das Thema ihn so mit, daß er sich in Haßtiraden erging – das war seltsam bei jemandem, der in ruhigeren Momenten mehr wirkte wie ein Mann aus Holz oder Leder als aus Fleisch und Blut. „Mein lieber Freund, Ihr habt recht, ich hasse die Florentiner, aber ich finde es trotzdem schwierig, den Grund zu erklären, denn sie haben mich weder verwundet noch meinen Geldbeutel gestohlen oder mir ein anderes Unrecht dieser Art zugefügt. Aber ich bin Ghibelline, deshalb hasse ich sie. Wer würde nicht Leute hassen, die den Kaiser und alle rechtmäßige Herrschaft verachten?

6. Kapitel (17)

Zuletzt war Castruccio des Schweigens müde und bereit, sogar mit einem so abweisenden Geschöpf zu sprechen. Er fragte: „Messer Benedetto, Ihr wart gestern abend schon halb krank vor Haß auf die Florentiner. Ich habe guten Grund, sie zu hassen, denn sie haben dafür gesorgt, daß meine Familie verbannt wurde und Lucca zu den Städten der Ghuelfen in der Toskana gehört. Aber Ihr seid aus Cremona, einer Stadt, die durch viele Berge und Flüsse von Florenz getrennt ist. Woher kommt Euer Abscheu vor dieser Republik?“ Pepi sah Castruccio mit seinen kleinen Augen durchdringend an, als wolle er in seinem Herzen lesen und ergründen, was der eigentliche Grund für diese Frage war, aber die offene Art seines Begleiters wirkte sogar auf die verhärtete Seele dieses Mannes.

6. Kapitel (16)

Es war interessant, die Gesichter der beiden Reisenden zu vergleichen – es war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Castruccio, der in der Schönheit der Landschaft schwelgte, die Augen voller Tränen, und neben ihm Pepis Gesicht mit den schroffen Zügen, das keine Regung zeigte. Seine kleinen funkelnden Augen blickten hierhin und dorthin, aber sonst ließ nichts erkennen, daß er fühlte oder dachte; sein Mund war verkniffen, seine Haltung steif und aufrecht, er drückte seinem Maultier die Fersen in die Flanken, und seine bescheidenen Reitkünste verrieten nur zu deutlich das Geheimnis, daß er in seiner Zeit beim Militär Fußsoldat gewesen war.

6. Kapitel (15)

Er vergaß Mailand, den Kaiser, die Guelfen und die Ghibellinen, und versank in Gedanken wie eine Biene im duftenden Kelch einer Rose. Als er wieder zu sich kam, errötete er, weil seine Augen feucht und seine Wangen von Tränen benetzt waren. Er sah sich hastig um und war erleichtert, daß sein Begleiter sich ein Stück hinter ihm befand. Er zügelte sein Pferd, damit Pepi ihn einholen konnte. Pepi näherte sich langsam.

6. Kapitel (14)

Tadeo und Castruccio diskutierten über die Gelegenheiten, die sich durch die neue Ordnung der Dinge in Italien bieten könnten, und Castrruccio gestand, daß er sich dem Gefolge des Kaisers anschließen wollte und hoffte, dadurch die Güter seines Vaters zurückzubekommen. Der Abend verging während dieser Gespräche, und sie begaben sich früh zur Ruhe. Am nächsten Morgen verabschiedeten sich Castruccio und Pepi von Tadeo und machten sich gemeinsam auf den Weg nach Mailand. Eine Weile ritten sie schweigend nebeneinander her. Castruccio war überwältigt von verschiedenen Gefühlen, als er wieder italienischen Boden unter den Füßen hatte. Es war Winter, die Landschaft war kahl, und ihre Weinreben und Kornfelder wirkten wie eine Wüste. Und dennoch dachte Castruccio, daß keine andere Gegend es an Schönheit mit dieser aufnehmen konnte, bis auf die Ebene von Lucca – so, wie er sich an sie erinnerte, als er sie das letzte Mal gesehen hatte – umgeben von Hügeln, die Stadt mit ihren vielen Türmen in...

6. Kapitel (13)

Und wenn alle Stricke reißen, werden sie ihn kaufen. Die Florentiner verschwenden ihre goldenen Florins und zahlen Tausende, um etwas zu erwerben, das selbst geschenkt zu teuer wäre. Ihr Motto ist das der Dummköpfe, über das die Klugen nur lachen können – Freiheit! Sicher hat der Vater der Lügen diese Falle erfunden, diesen Köder, bei dem die meisten anbeißen wie eine Maus bei einem Stück Käse. Es wäre ein Segen für die Welt, wenn sie das gleiche Ende finden würden – so wie bei der knabbernden Maus das Eisen zuschnappt, werden sie geköpft, als sie ihre Beute ergriffen – aber Florenz blüht!“ Pepi beendete seine Rede mit einem tiefen Stöhnen und versank in Gedanken.