6. Kapitel (14)

Tadeo und Castruccio diskutierten über die Gelegenheiten, die sich durch die neue Ordnung der Dinge in Italien bieten könnten, und Castrruccio gestand, daß er sich dem Gefolge des Kaisers anschließen wollte und hoffte, dadurch die Güter seines Vaters zurückzubekommen. Der Abend verging während dieser Gespräche, und sie begaben sich früh zur Ruhe.
Am nächsten Morgen verabschiedeten sich Castruccio und Pepi von Tadeo und machten sich gemeinsam auf den Weg nach Mailand.
Eine Weile ritten sie schweigend nebeneinander her. Castruccio war überwältigt von verschiedenen Gefühlen, als er wieder italienischen Boden unter den Füßen hatte. Es war Winter, die Landschaft war kahl, und ihre Weinreben und Kornfelder wirkten wie eine Wüste. Und dennoch dachte Castruccio, daß keine andere Gegend es an Schönheit mit dieser aufnehmen konnte, bis auf die Ebene von Lucca – so, wie er sich an sie erinnerte, als er sie das letzte Mal gesehen hatte – umgeben von Hügeln, die Stadt mit ihren vielen Türmen in der Mitte. Er war damals noch ein Kind gewesen und hatte auf dem Turm des Palastes seines Vaters gestanden. Er sehnte sich nach einem Begleiter, dem er sein überquellendes Herz ausschütten konnte, denn seine Gefühle hatten ihn für eine Weile die vielen Lehren von Alberto Scoto vergessen lassen. Er vergaß seinen Ehrgeiz und die Träume von fürstlicher Pracht, die er monatelang gehegt hatte.

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