5. Kapitel (22)
Das waren die Lehren von Scoto, und der Leser wird mir leicht verzeihen, wenn ich sie nicht so oft wiederhole oder so ausführlich darlege, wie Scoto selbst es tat. Castruccio lauschte neugierig, halb ärgerlich und halb überzeugt. In diesen Tagen wurde die Saat des Könnens gesät, das aufblühte und ihn zu Macht und Ruhm führen würde. Als der Winter sich seinem Ende näherte, sagte Scoto zu ihm: „Ich wünschte, mein junger Freund, daß du auf einen weiteren Feldzug unter meinem Banner mitkommen würdest, und daß ich weiterhin deine Gesellschaft genießen könnte, aber das Schicksal will es anders, und du mußt nach Italien. Heinrich von Luxemburg (Heinrich VII. (1278 oder 1279 – 1313), 1312 bis zu seinem Tod römisch-deutscher Kaiser. Er stammte aus dem Haus Luxemburg (Anm. d. Ü.)), der jetzt Kaiser von Deutschland ist, rückt in die Richtung dieses Landes vor, und er wird die Trümmer der Partei der Ghibellinen einsammeln und versuchen, ihnen wieder zur Macht zu verhelfen. Ihr seid ein Ghibelline aus einer wichtigen, treuen Familie und dürft Euch diese Gelegenheit zum Aufstieg nicht entgehen lassen. Kehrt nach Italien zurück, schließt Euch dem Kaiser an und ich zweifle nicht, daß Ihr mit seiner Unterstützung Euren Reichtum und Eure Rechte in Lucca wiederbekommt. Geht, Castruccio – Ihr seid zum Handeln und Herrschen geschaffen. Vergeßt meine Lehren nicht. Hier oder in England wären sie nutzlos, aber in Italien braucht Ihr sie, um Erfolg zu haben. Ich zweifle nicht, daß es Euch gut ergehen wird, und es wird mir auf meine alten Tage das Herz wärmen, daß ich – ein Verbannter und Glücksritter, der unter fremder Flagge kämpft – zum Aufstieg eines großen Geistes wie Euch beigetragen habe.“
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