5. Kapitel (27)

Hier war es weniger bedrohlich. Er saß wieder auf und ritt vorsichtig am Rand des Vorgebirges entlang, als er eine Stimme hinter sich hörte. Es klang wie ein Hilferuf. Eilig stieg er ab, band sein Pferd an einen Felsvorsprung und kehrte zu dem Abgrund, an dem er gerade mit solchen Schwierigkeiten vorbeigekommen war. Dort sah er ein Maultier, das seelenruhig am Straßenrand stand, aber an dem steilen Abhang erblickte er ein Paar Füße und entdeckte einen Mann, der sich mit aller Kraft an eine Unebenheit des Berges klammerte. Der Mann wollte wieder um Hilfe rufen, doch diesmal versagte ihm die Stimme. Castruccios Diener war weit zurückgeblieben, und so sah er sich allein vor der gefährlichen Aufgabe, den Unglücklichen aus dieser schrecklichen Lage zu befreien. Er band seine Schärpe los, befestigte ein Ende am Sattelgurt des Maultiers, nahm das andere in die Hand und warf es dem Mann zu. So gelang es ihm unter großen Mühen, den armen Kerl nach oben zu ziehen, der kreidebleich und mit verzerrtem Gesicht wie betäubt dastand, als er sich dem Tod entronnen sah, den er so gefürchtet hatte.

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