7. Kapitel (20)

In den nächsten Tagen bot sich ihnen immer wieder das gleiche Bild, und es hätte auch das härteste Herz erweicht, den Kummer in den Gesichter der vielen Menschen zu sehen, deren Leben früher paradiesisch gewesen war. Junge Mütter weinten um ihre unglücklichen Sprößlinge, deren Väter im Grab lagen oder im Gefängnis vegetierten, Kinder, die um Brot weinten und auf den Stufen der Paläste ihrer Väter saßen, in denen das Militär wütete, kinderlose Eltern, die um ihre ermordeten Säuglinge trauerten, Waisenkinder, hilflos und sterbend, deren Eltern nichts mehr für sie tun konnten. Castruccio weinte, obwohl er Soldat war, aber Arrigo, der nie zuvor das Elend des Krieges gesehen hatte, geriet beinahe außer sich vor Wut und Mitleid, er stieß lauthals bittere Flüche hervor, Tränen liefen ihm über die Wangen, und seine Stimme, gebrochen und scharf, war nicht geeignet, sein Entsetzen zu bekunden. Castruccio mußte ihn zuletzt mit Gewalt von dem Schauplatz des Schreckens wegzerren und beschwichtigte ihn mit allen Argumenten, die ihm einfielen, vor allem dem wichtigsten, daß nämlich Heinrich bald gezwungen sein würde, seine Soldaten aus Cremona abzuziehen, damit sie ihn bei der Belagerung von Brescia unterstützten. Dann schickte er den jungen Mann mit einem Brief zu Galeazzo Visconti.

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