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8. Kapitel (18)

Uguccione dachte nicht mehr an die Versprechungen, die er Castruccio gemacht hatte, und beide Parteien in Lucca wurden gleichermaßen unterdrückt, denn er hielt es für den sichersten Kurs, die höchsten Ähren auf dem Feld abzumähen. Nur Castruccios prompte Reaktion rettete seine Heimatstadt vor dem völligen Ruin. Er versammelte seine Anhänger, bildete aus ihnen eine Truppe unter dem Banner von Uguccione und übernahm den Oberbefehl.

8. Kapitel (17)

Nachdem Castruccio und seine Gefährten den Serchio überquert hatten, näherten sie sich Lucca, rüsteten sich zum Kampf und dafür, San Frediano zu erstürmen. Die Guelfen stellten sich ihnen entgegen und es kam zur Schlacht. In der Zwischenzeit kam auch Uguccione dort an, aber aus einer anderen Richtung. Da er an keinem Stadttor Einlass fand, fing er an, die Mauern einzureißen. Die Guelfen konnten nach der Niederlage gegen die Ghibellinen keinen Widerstand leisten; die Ghibellinen unter Castruccios Befehl hielten Uguccione für ihren Verbündeten und dachten nicht daran, ihn aufzuhalten. Sie hatten auch genug damit zu tun, sich gegen ihre eigenen Feinde zur Wehr zu setzen, die sich nicht ergeben wollten. Der Bruch wurde vollzogen, Uguccione zog im Triumph ein, behandelte Lucca als eroberte Stadt und lieferte sie der Plünderung durch seine Truppen aus. Er selbst machte ebenfalls reiche Beute und eignete sich den Schatz des Papstes an, der in der Kirche von San Frediano verwahrt wurde; man ha...

8. Kapitel (16)

Aber Castruccio war nicht damit zufrieden, daß die Rückkehr von der Gegenpartei nur geduldet wurde; im Gegenteil, er wollte seine Partei nach oben bringen und ihr Anführer werden. Deshalb schloß er einen Vertrag mit Ugucciones Armee und forderte sie dazu auf, ihn beim Sturz der Guelfen von Lucca zu unterstützen und ihn zum Herrscher seiner Geburtsstadt zu machen; der Herrscher von Pisa würde im Gegenzug einen treuen Verbündeten bekommen und der Stern der Ghibellinen unaufhaltsam weiter steigen.

8. Kapitel (15)

Diese strebsame Haltung war in Galeazzos Augen die beste Empfehlung. Er griff nicht nach den Sternen, aber er besaß Talent, Tatkraft und einen klaren Blick, worin er seine Gefährten bei weitem übertraf. Castruccio liebte die Macht, aber er war weder arrogant noch tyrannisch, sondern hatte für alle in seiner Umgebung gütige Worte und ein gewinnendes Lächeln. Er paßte sich jeder Situation an: Im Lager war er voller Energie und handelte schnell, im Rat benahm er sich klug und vorsichtig wie ein grauhaariger Staatsminister, auf Bällen oder Jagdausflügen empfahl er sich durch Anmut, Geschick und tadellose Manieren. Seine Schönheit bekam etwas Männliches, er strahlte Stolz und Selbstbewußtsein aus, aber auch viel Sensibilität; seine rabenschwarzen Augen funkelten, die kastanienbraunen Haare fielen ihm in Locken in die Stirn. Sein Gesicht wirkte offen und unbefangen, was sein Geist jedoch nicht war; denn seine Erfahrungen mit den hinterlistigen Machthabern der Lombardei hatte seiner Seele a...

8. Kapitel (14)

Galeazzo liebte Castruccio aufrichtig und vertraute ihm in die innersten Geheimnisse seines Herzens an; doch diese Geheimnisse waren derart, daß sie letzteren in die listige Politik und die skrupellosen Motive des Mailänder Herrschers einweihten und ihn dazu brachten, Verrat und Grausamkeit als verzeihliche Verfehlungen anzusehen. Er besaß keine rettende Leidenschaft, die ihn durch ihre Reinheit und Erhabenheit – auch wenn sie ihm Vergebung ermöglichte – dazu gebracht hätte, die Fehler Galeazzos zu vermeiden. Ehrgeiz war das beherrschende Gefühl seiner Seele; ein Ehrgeiz nach Macht, Eroberung und Ruhm, nicht nach Tugend und jenem Ruhm, der wie der Phönix nicht zur gleichen Zeit wie sein Elternteil leben kann, sondern aus dessen Asche mit den starken Flügeln eines unsterblichen Wesens emporsteigt.

8. Kapitel (13)

Die drei Jahre, in denen sich all das ereignete, verbrachte Castruccio in der Lombardei. Jedes Jahr unternahm er einen Feldzug im Dienste des einen oder anderen ghibellinischen Herrschers dieses Gebiets und verbrachte den Winter in Mailand. Er schloß eine aufrichtige und dauerhafte Freundschaft mit Galeazzo Visconti; doch obwohl diese Freundschaft zu seinem Aufstieg beitrug, litt sein Charakter unter der geistigen Verbundenheit, die er mit diesem Herrscher entwickelte. Während sie gemeinsam ritten, jagten oder kämpften und sich oft gegenseitig Dienste erwiesen, wurde ihre Zuneigung immer stärker; und sie war ebenso selbstlos und großzügig wie fest.

8. Kapitel (12)

Die Pisaner waren Ghibellinen; und während die Gemäßigteren unter ihnen bei den Friedensverhandlungen bereits weit fortgeschritten waren, ließ Uguccione fünf lebende Adler, die Wahrzeichen der Ghibellinen, durch die Straßen tragen; und der Ruf „Verrat durch die Welfen!“ war der Schlachtruf der Wut für das Volk. Vergeblich bemühten sich die Magistrate, ihre Autorität durchzusetzen; ihre Anhänger wurden zerstreut, ihre Anführer gefangengenommen und hingerichtet, und Uguccione wurde zum General im Krieg gegen die Florentiner ernannt. Dieser tatkräftige Feldherr verschwendete keine Zeit; er marschierte gegen die Luccheser, die Verbündeten von Florenz, verwüstete ihr Land, zwang sie zur Unterwerfung und schloß Frieden mit ihnen unter der Bedingung, daß sie ihre ghibellinischen Verbannten zurückriefen.

8. Kapitel (11)

Unmittelbar nach dem Tod Heinrichs hatten die Pisaner aus Angst vor einem plötzlichen Einfall der Florentiner einen Condottiere, Uguccione della Faggiuola, in ihren Dienst genommen, der mit seiner Truppe von tausend Deutschen die Bewachung ihrer Stadt übernahm. Der Krieg war Ugucciones Handwerk; daher blickte er mit Entsetzen auf den geplanten Frieden und beschloß, ihn zu stören. Die Bevölkerung der italienischen Städte, die sich unter den Namen der Parteien zusammengeschlossen hatte und stets den Parolen und Signalen ihrer Partei gehorchte, ließ sich leicht dazu bewegen, über die gegnerische Fraktion herzufallen.

8. Kapitel (10)

Pisa war den Ghibellinen stets treu geblieben und dem Kaiser wohlgesonnen; durch dessen Tod sahen sie sich schutzlos in die ihren Feinden, den Florentinern, ausgeliefert. Daher willigten sie gerne in die moderaten Bedingungen ein, die ihnen der König von Neapel und sein Verbündeter, Florenz, für den Frieden in der Toskana angeboten hatten. Wäre dieser Vertrag erfüllt worden, wären die Hoffnungen der Ghibellinen für immer zunichtegemacht worden, und Castruccio wäre nie in sein Land zurückgekehrt, und allen Beteiligten wäre viel Blutvergießen erspart geblieben. Florenz wäre Italiens Friedensengel gewesen. Die Ereignisse nahmen jedoch eine andere Wendung. Um dies zu verstehen, muß man zurückblicken.

8. Kapitel (9)

Während dieses langen Kampfes war Florenz der Mittelpunkt des Widerstands gegen den Kaiser. Ihre Abneigung gegen die kaiserliche Macht und ihre Befürchtungen vor einer Rückkehr der verbannten Ghibellinen spornten die Bewohner dazu an, alle Kräfte zu mobilisieren, um Verbündete zu gewinnen und ihre eigene Stadt zu verteidigen. Der Tod Heinrichs war für sie ein unblutiger Sieg; und sie hofften, daß eine rasche Wende in der italienischen Politik die allgemeine Vorherrschaft der Welfen sichern würde.

8. Kapitel (8)

Dadurch blieb Italien hinsichtlich der Vorherrschaft der Welfen fast in derselben Lage zurück wie zuvor, allerdings war die politische Stimmung jetzt noch aufgeheizter als bei seiner Ankunft zwei Jahre zuvor.

8. Kapitel (7)

Heinrich verließ Cremona und widmete sich der Belagerung von Brescia, das sich heldenhaft verteidigte und sich dann im September zu ehrenhaften Bedingungen ergab. Castruccio diente während der Belagerung unter dem Kaiser, aber er war entsetzt über den Mangel an Glauben und die Grausamkeit dieses Monarchen, der seine Feinde grausam bestrafte und auch seine Freunde behandelte, als wären sie seine Feinde gewesen. Castruccio beschloß daher, aus der kaiserlichen Armee auszutreten, und als Heinrich die Lombardei verließ und nach Genua weiterzog, blieb er bei seinem Freund Galeazzo Visconti. Die Kleinkriege in der Lombardei konnten nur die interessieren, die in sie verwickelt waren. Alle Augen waren auf den Kaiser gerichtet, als er auf dem Weg nach Genua war. Seine Verhandlungen mit Florenz verliefen ergebnislos, er begab sich nach Pisa und dann nach Rom, wo er – da der Vatikan in der Hand der gegnerischen Partei war – im Lateranpalast gekrönt wurde. Und dann, als seine Armee durch Krankhei...

8. Kapitel (6)

Galeazzo liebte Castruccio aufrichtig und vertraute ihm alle Geheimnisse seines Herzens an, aber diese Geheimnisse waren derart, daß sie letzteren in die listige Politik und die skrupellosen Motive des Mailänder Herrschers einweihten und ihn dazu brachten, Verrat und Grausamkeit als verzeihliche Verfehlungen anzusehen. Er besaß nicht die Reinheit und Erhabenheit, die ihm geholfen hätte, die Fehler Galeazzos zu vermeiden. Ehrgeiz war das Gefühl, das seine Seele beherrschte, ein Streben nach Macht, Eroberungen und Ruhm, aber nicht nach Tugend, und dieser Ruhm kann ebenso wie der Phönix nicht zur gleichen Zeit leben wie seine Eltern, sondern erhebt sich aus seiner Asche mit den kräftigen Flügeln eines unsterblichen Wesens.

8. Kapitel (5)

Mit Galeazzo Visconti verband ihn eine aufrichtige und bleibende Freundschaft, aber obwohl diese Freundschaft zu seinem Aufstieg beitrug, litt sein Charakter unter der Seelenverwandtschaft mit seinem Anführer. Während sie miteinander ausritten, jagten oder fochten, wuchs die gegenseitige Zuneigung und erwies sich als uneigennützig, großzügig und beständig.

8. Kapitel (4)

Wenn dieser Vertrag erfüllt worden wäre, wären die Hoffnungen der Ghibellinen für immer zerstört gewesen, und Castruccio wäre nie in sein Heimatland zurückgekehrt. Die Szenen voller Blut und Elend, die nun folgten, wären vermieden worden, und Florenz hätte seinen mildernden Einfluß auf die anderen Staaten der Toskana ausgeübt und wäre in Italien zum Friedensstifter geworden. Doch es kam anders. Um das zu verstehen, muß man zurückblicken. Nach Heinrichs Tod fürchteten die Bewohner von Pisa einen plötzlichen Überfall der Florentiner, auf den sie nicht vorbereitet waren. Sie engagierten einen condottiere, Uguccione della Faggiuola, der mit seiner Truppe aus tausend Deutschen die Stadt schützen sollte. Krieg war das täglich Brot von Uguccione; er fand keinen Gefallen an dem geplanten Frieden und beschloß, ihn zu stören. Die Bewohner der italienischen Städte, die alle irgendwelchen Parteien angehörten und diesen blind ergeben waren, ließen sich leicht dazu bringen, den Gegner anzugreifen....

8. Kapitel (3)

In diesem langen Kampf war Florenz der Kopf und das Herz des Widerstandes gegen den Kaiser. Der Abscheu der Bewohner vor der kaiserlichen Macht und ihre Angst vor einer Rückkehr der verbannten Ghibellinen trieben sie dazu, alles zu geben, um Verbündete zu finden und ihre eigene Stadt zu verteidigen. Heinrichs Tod war für sie ein unblutiger Sieg, und sie hofften, daß eine rasche Änderung in Italiens Politik für den Aufstieg der Guelfen sorgen würde. Pisa hatte immer zu den Ghibellinen gehalten und den Kaiser unterstützt, bei seinem Tod sahen sie sich ihren Feinden, den Florentinern, wehrlos ausgeliefert und sie gingen nur allzu gern auf die maßvollen Bedingungen ein, die der König von Neapel und sein Verbündeter Florenz ihnen anboten, um Frieden in der Toskana zu schaffen.

8. Kapitel (2)

Die Kleinkriege in der Lombardei konnten nur die interessieren, die in sie verwickelt waren. Alle Augen waren auf den Kaiser gerichtet, als er auf dem Weg nach Genua war, auf seine ergebnislosen Verhandlungen mit Florenz, seine Reisen nach Pisa und schließlich nach Rom, wo er – da der Vatikan in den Händen der Gegner war – im Lateran gekrönt wurde. Und dann kehrte er – seine Armee war von Krankheiten geschwächt und er selbst enttäuscht von den langsamen Fortschritten – in die Toskana zurück, unternahm einen erfolglosen Angriff auf Florenz und zog sich in die Umgebung von Siena zurück, wo er am 18. August 1313 starb. Bei seinem Tod war Italien in fast der gleichen Situation, was die Übermacht der Guelfen betraf, aber die Feindschaft zwischen den Parteien war noch tiefer als bei seiner Ankunft zwei Jahre zuvor.

8. Kapitel (1)

Heinrich verließ Cremona und widmete sich der Belagerung von Brescia, das sich heldenhaft verteidigte und sich dann im September zu ehrenhaften Bedingungen ergab. Castruccio diente während der Belagerung unter dem Kaiser, aber er war entsetzt über den Mangel an Glauben und über die Grausamkeit dieses Monarchen, der seine Feinde mit schrecklichen Torturen bestrafte und seine Freunde behandelte, als wären sie seine Feinde gewesen. Castruccio beschloß daher, aus der kaiserlichen Armee auszutreten, und als Heinrich die Lombardei verließ und nach Genua weiterzog, blieb er bei seinem Freund Galeazzo Visconti.

7. Kapitel (27)

„Ja, ich bedaure sie von Herzen, aber ich habe auch Verluste erlitten. Die erste Horde Deutscher, die in die Stadt eindrang, hat mein Pferd beschlagnahmt und den Wallach meines Knappen. Ich muß neue kaufen, wenn unsere Feinde weg sind, um die Ehre meines Ritterstandes aufrechtzuhalten. Aber genug davon. Ihr, Messer Castruccio, habt den Befehl über eine Truppe italienischer Ritter. Was habt Ihr mit diesen Männern vor? Bleibt Ihr in der Lombardei oder folgt Ihr dem Kaiser in den Süden?“ „Ich richte mich nach den Ereignissen. Ich hoffe, bald selbst zu bestimmen, was geschieht, aber vorerst muß ich mich von den Umständen leiten lassen und kann Eure Fragen daher nicht beantworten.“ Pepi hielt einen Moment inne und sagte dann halb zu sich selbst: „Nein, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Die Dinge sind noch nicht reif, diese Belagerung hat viel bewirkt, aber ich muß noch warten. Nun, Messer Castruccio, im Moment werde ich einige Umstände nicht preisgeben, die ich Euch, als wir dieses ...

7. Kapitel (26)

Bisher hatte Pepi Castruccios Fragen eifrig beantwortet – und das mit einem Ausdruck von Triumph und Eitelkeit, den er vergeblich zu verbergen suchte, ein Lächeln umspielte seine Mundwinkel, und er hatte sich sogar die Hände gerieben. Aber bei Castruccios letzten Worten verdüsterte sich sein Gesicht, die Mundwinkel sanken, er ließ die Schultern hängen und er sagte mit einem Blick auf seine schäbige Kleidung: „Ich bin immer arm, immer vom Pech verfolgt, und Messer Castruccio, Ihr tut mir großes Unrecht, wenn Ihr annehmt, ich sei vermögend. Ich habe einen prächtigen Palast und einen gewaltigen Turm, aber ich kann die Steine nicht essen und mich nicht mit dem Putz bekleiden, und – Gott ist mein Zeuge – meine Ländereien umfassen nur noch fünfzig kleine Hektar. Wie kann ich da reich sein?“ „Wenn Ihr arm seid“, sagte Castruccio, „so teilen die unglückseligen Bewohner der Stadt Euer Schicksal. Ihre Behausungen, seien es Paläste oder Hütten, wurden geplündert und wer der Zerstörungswut des Ka...