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7. Kapitel (13)

„Genug – überlaßt mir den Rest. Es soll meine Aufgabe sein, meinen Abschied von Can' della Scala zu planen. Setzt mich von Euren Schritten in Kenntnis, und fürchtet nichts – ich bin an Eurer Seite.“ Am gleichen Abend wurde im Palast des Kaisers ein großes Fest gefeiert, und Galeazzo stellte Castruccio diesem Fürsten vor. Die Adligen der Lombardei begegneten ihm wohlwollend, denn sie wußten, daß er ihnen nördlich des Apennin nicht in die Quere kommen würde, und sie hofften, daß er die Partei der Ghibellinen wiederbeleben und in der Toskana zum Triumph verhelfen würde. Castruccio verbrachte fast den ganzen Abend im Gespräch mit Arrigo.

7. Kapitel (12)

„Liebster Arrigo, mein lieber, lieber Bruder, ich lese aus deiner ernsten Miene alles, was du sagen willst, sei sicher, daß wir uns nie wieder trennen werden! Wir werden als Glücksritter weiterziehen, und der gleiche Stern wird für uns auf- und untergehen!“

7. Kapitel (11)

Vor zehn Monaten habe ich mein glückliches Leben in den Hügeln hinter mir gelassen, um bei einem Herrn zu leben, der sehr großzügig und gütig zu mir ist, der aber nicht wie mein Vater ist. Ich kann kaum glauben, daß so ein Wesen überhaupt je existiert hat; er war so großartig, engelhaft weise und gut, und ich treibe nun stromabwärts mit dem Rest, einem Knappen und einem Diener, ich verbringe das Leben ohne Freuden und sehe ohne Erwartung in die Zukunft, aber wenn du, mein Bruder, mir einen Gefallen tun würdest, würde die Sonne für mich heller scheinen.“

7. Kapitel (10)

Als sie durch die Tore in die Stadt zurückkehrten, traf das Gefolge des Kaisers wieder auf das der Kaiserin, und Castruccio gesellte sich zu Arrigo. Eine Weile schaute er ihn an und lauschte dem sanften Klang seiner jungen Stimme. Er selbst wagte nicht zu sprechen, sein Herz war übervoll, Gefühl verschleierte seinen Blick, und er stellte sich vor, daß die verehrte Gestalt von Guinigi neben seinem Sohn stand, Castruccio anlächelte und auf den Jungen zeigte. Schließlich fing er sich wieder, holte Arrigo und dessen Pferd ein und flüsterte: „Hat Guinigis Sohn mich vergessen? Mich und den Hof in den Euganeischen Hügeln?“ Arrigo fuhr zusammen. Dann strahlte er und rief: „Mein Castruccio!“ Sie entfernten sich von der Gruppe und gelangten über Schleichwege in die Stadt. Castruccio erkannte an der Miene seines jungen Freundes, daß seine schlimmsten Befürchtungen wahr waren und Guinigi tot war; und Arrigo las Castruccio vom Gesicht ab, daß er an seinen Vater dachte. Schließlich sagte Arrigo...

7. Kapitel (9)

„Das wundert mich nicht“, sagte Castruccio, „denn er hat seine Kindheit damit verbracht, auf dem Feld zu Arbeiten und den Lehren seines göttlichen Vaters zu lauschen! Die Intrigen und Verrücktheiten eines Hofes können nicht das Richtige für ihn sein. Wenn er seine kindliche Zuneigung zu mir nicht vergessen hat, werde ich ihn von beidem weglocken, und wenn sein Vater wirklich tot ist, werde ich stolz sein, der Protektor seines Arrigo zu sein!“

7. Kapitel (8)

Er war prächtig gekleidet. Er trug einen vergoldeten Köcher, verziert mit Diamanten, und eine mit Perlen bestickte Schärpe. Er war in jeder Hinsicht so ausgestattet, wie man es von dem Lieblingspagen einer Kaiserin erwarten konnte. Aber Castruccio kamen seine hellblauen Augen bekannt vor, ebenso wie sein freundliches und doch ernstes Lächeln. Ihm traten Tränen in die Augen bei der Erinnerung, und er fragte Galeazzo eifrig, wer und was der junge Mann war. Sein Freund antwortete: „Das ist der Knappe des Can’ Grande. Er heißt Arrigo, seinen Nachnamen weiß ich nicht. Die Kaiserin will ihn an ihrer Seite haben, aber der junge Mann würde lieber mit seinem großartigen Patron in die Schlacht ziehen, als der verweiblichte Page im Vorzimmer einer Kaiserin zu sein.“

7. Kapitel (7)

Vorerst können wir nur abwarten. Der Kaiser erwartet, daß ihm Geld bewilligt wird, und das tun wir mit Feuereifer. Als Politiker muß man wissen, daß Geld die Welt regiert. Ich prophezeie Veränderungen, aber Ihr als Fremder müßt abseits stehen und seid von den Umständen abhängig. Sucht Euch Freunde, haltet Euch an den Kaiser und an die Adligen aus der Lombardei. Viele von ihnen sind sehr mächtig. Seid sicher, ob der Kaiser nun Erfolg hat oder nicht, er wird Italien nicht einfach aufgeben, ohne wenigstens zu versuchen, die Politik der Toskaner Republiken zu ändern. Gesellen wir uns nun wieder zu unseren Freunden. Morgen reden wir weiter, und wenn wir zu den Waffen greifen, werde ich stolz sein, Castruccio die Antelminelli in meiner Armee zu haben!“ Dann mischten sie sich unter den Rest der Gesellschaft, und Galeazzo machte seinen neuen Freund mit den ghibellinischen Adligen der Lombardei bekannt. Hier sah er zum ersten Mal den großartigen Cane della Scala (Can Francesco I. della Scala...

7. Kapitel (6)

Castruccio fragte, was wohl die Pläne des Kaisers sein mochten, und Galeazzo antwortete: „Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was für angsterfüllt pochende Herzen sich hinter der scheinbaren Fröhlichkeit dieser Jäger verbergen. Wir Mailänder sind alle zerstritten und ehrgeizig. Als einer der wichtigsten bin ich von Sorgen und Zweifeln beladen, während ich mit meinem Falken auf der Faust diesem fröhlichen Zug folge. In ein paar Tagen ist das Theater vorbei, und dann werden wir sehen, welche Macht die Visconti oder die Della Torre über die Lombardei bekommen werden.

7. Kapitel (5)

Zu Beginn des Rittes beobachtete Galeazzo Castruccio, der zu tief in Gedanken versunken war, um sich an den Gesprächen seiner Begleiter zu beteiligen. Er blieb hinter den anderen zurück, um seinen Betrachtungen nachzuhängen, und Galeazzo trennte sich vom Rest und ritt zu ihm. Sie kamen ins Gespräch, aus dem eine Diskussion über Castruccios Pläne und Wünsche wurde. Beide waren Männer von Vorsicht und Klugheit, aber sie waren jung und empfänglich für Eindrücke, was sich im fortgeschrittenen Alter verliert. Sie mochten einander, verstanden sich fast ohne Worte und wurden enge Freunde.

7. Kapitel (4)

Galeazzo Visconti empfing ihn mit der Herzlichkeit, die damals in Italien üblich war – als edelster Ritter des Landes war er mit den Sitten der Zeit bestens vertraut. Castruccio bekam ein wunderschönes Pferd und einen Umhang aus Pelz, genau richtig für die kalte Jahreszeit, und gehörte zu der fröhlichen Gruppe, die in Richtung der kaiserlichen Residenz aufbrach. Dort gesellte sich der Herrscher persönlich zu ihnen, außerdem die Kaiserin und die deutschen Adligen aus seinem Gefolge. Sie ritten durch die Straßen von Mailand, verließen die Stadt durch das Osttor und teilten sich in verschiedene Gruppen auf, um Wild aufzustöbern. Die Deutschen folgten ihren Hunden durch die offene Landschaft und jagten Füchse und Hasen, aber die Italiener waren prächtig gekleidet und wollten nicht riskieren, daß ihre seidenen Gewänder an Büschen und anderen Hindernissen hängenblieben. Sie begnügten sich damit, ihren Falken die Kappen abzunehmen, wenn sie Wildtiere sahen, und Wetten abzuschließen, welcher V...

7. Kapitel (3)

Sein Name war schon jenseits der Alpen bekannt und wurde begeistert von vielen Gefolgsleuten des Kaisers genannt, die in den Niederlanden gedient hatten. Deshalb empfing die erlauchte Gesellschaft ihn mit allen Ehren. Die Leute scharten sich um ihn und forderten ihn auf, an ihren Amüsements teilzunehmen, und seine Erscheinung beeindruckte besonders die anwesenden Damen.

7. Kapitel (2)

Auch viele Damen waren anwesend. Sie konkurrierten mit den Männern, was die Pracht der Kleidung anging. Ihre Kleider waren aus dem gleichen kostbaren Stoff und mit noch mehr Edelsteinen verziert, ihre weiten Ärmel, die fast bis zum Boden reichten, waren mit Perlen bestickt, und daraus schaute noch ein eng anliegender Ärmel aus Seide hervor. Ihre Röcke waren von Perlen gesäumt, sie trugen ebenso prächtig geschmückte Schleier, und kleine Hauben aus orientalischen Pelzen, und ihre Gürtel waren mit Diamanten besetzt. Castruccio blieb stehen, ihm wurde fast schwindlig bei dem Anblick. An den schlichteren Höfen von London oder Paris hatte er nie so viel Pracht und Luxus gesehen, und er warf unwillkürlich einen Blick auf seinen eigenen Aufzug. Auch seine Kleidung war vornehm, aber schmutzig von der Reise, und auch sonst hätten sie nicht mit den schlichtesten Sachen dieser Adligen mithalten können. Er faßte sich jedoch schnell wieder.

7. Kapitel (1)

Nach ein paar Tagen kam er in Mailand an und eilte als erstes zum Palast von Matteo Visconti. Dieser war jedoch gerade im Senat und verhandelte mit den Mailänder Adligen darüber, wieviel Geld man dem Kaiser bewilligen sollte. Castruccio wurde deshalb seinem Sohn Galeazzo ( Galeazzo I. Visconti (1277 – 1328), ältester Sohn von Matteo I. Visconti, regierte Mailand 1322 – 1328 (Anm. d. Ü.).) vorgestellt, der sich in der Halle des Palastes aufhielt, umgeben von allen jungen Ghibellinen Mailands. Es war eine Szene voller Glanz und Fröhlichkeit. Die jungen Adligen wollten den Kaiser auf einer Jagd begleiten und trugen ihre prächtigste Kleidung – bestickte Seide und Samt, Umhänge aus kostbaren Pelzen, teilweise kurze Gewänder mit Hosen, die so gebunden waren wie die von Pepi, aber aus feinem Stoff, ihre Krägen waren mit Perlen geschmückt. Die Haare waren in der Mitte gescheitelt und fiel in Locken bis auf die Schultern, sie trugen verschiedene Mützen, einige waren flach und mit Federn verzi...

6. Kapitel (26)

Beim Abschied hielt Pepi eine lange Rede, brachte seine Dankbarkeit zum Ausdruck und versicherte, daß er bereit sei, sich erkenntlich zu zeigen, indem er ihn bei sich zu Hause willkommenhieß, wenn der Weg seines Retters einmal durch Cremona führen sollte. „Allerdings“, fügte er hinzu, „wenn Ihr andere Freunde in dieser Stadt habt, werdet ihr sie mir vielleicht vorziehen. Ich habe, wie ich gestern sagte, viele Verluste erlitten und strebe danach, sie mit einer sparsamen Lebensweise auszugleichen. Ich habe keinen vollmundigen Wein und keine weichen Lager zu bieten und kann es mir keine Wachskerzen und keine köstlichen Speisen leisten. Mein Haus hat einen ordentlichen Turm, und jetzt, da ich Ritter bin, habe ich auch ein gutes Pferd im Stall. Das ist alles, was ich zu bieten habe. Ihr habt sicher keine Vorliebe für magere Kost und harte Betten, deshalb wäre meine bescheidene Unterkunft sicher nicht angenehm für Euch.“ Castruccio dankte ihm und erwiderte leichthin, daß er als Soldat an...

6. Kapitel (25)

Am nächsten Morgen verabschiedeten sich Pepi und Castruccio; ob das der Notwendigkeit geschuldet oder der vorausschauenden Klugheit des ersteren zu verdanken war, steht nicht fest. Er deutete an, daß er auf dem Weg nach Cremona sei, vorher aber noch nach Alessandria müsse, und Castruccio wollte direkt nach Mailand.

6. Kapitel (24)

Während dieses Gesprächs erreichten sie Turin und waren wieder bei einem Kaufmann, Pepis Freund, zu Gast. Hier trafen sie eine große Gesellschaft an – alle diskutierten eifrig die politischen Verhältnisse in Italien und sangen Loblieder auf Kaiser Heinrich. Er hatte zwei Monate in Piemont verbracht, zerstrittene Parteien versöhnt, sich Beschwerden angehört und der Tyrannei kleingeistiger Herren ein Ende gemacht. Pepi hielt es nicht für die passende Gelegenheit, diese großen Hoffnungen mit seinen Prophezeiungen zu dämpfen. Er saß schweigend dabei, mit hochgezogenen Augenbrauen und verkniffenen Lippen, und ließ den Blick seiner scharfen Augen von einem Sprecher zum nächsten schweifen, als könne er so alle Informationen aufsaugen, die die Politiker preisgaben.

6. Kapitel (23)

Aber in Frankreich und England mischt sich das Volk nicht in die Streitigkeiten der Adligen ein. Ich muß wohl Eure Vorstellungen anpassen – Eure zweitausend Sklaventreiber von Florenz wären nur einer, und ich fürchte, wenn es nur einen in jeder italienischen Stadt gäbe, oder auch nur zwei auf der ganzen Welt, würden sie gemeinsam Krieg und Blutvergießen anzetteln.“ „Das“, stöhnte Pepi, „ist für mich der große Nachteil an der Beschaffenheit der Welt! Wenn die Reichen ihre eigenen Interessen kennen würden, könnten wir dem Monster vielleicht Fesseln anlegen und die Freiheit wieder begraben! Aber sie sind alle dumm. Wenn die Reichen sich einigen könnten, wenn die wenigen Fürsten, die es auf der Welt braucht, sich zusammentäten statt zu streiten, würde ein Staat wie Florenz kein Jahr Bestand haben. Aber auch wenn die Vernunft eine Trompete hätte, die so laut wäre wie die, die uns am Jüngsten Tag wecken wird – das Klirren der Waffen dieser dummen Leute würde selbst diese übertönen! Wenn de...

6. Kapitel (22)

6. Kapitel (21)

„Eine flüchtige Sympathie für die kaiserliche Macht weckt solche heftigen Gefühle? Ihr seid der glühendste Ghibelline, der mir je begegnet ist!“ „Glaubt mir, mein Freund – der Welt wird es erst gutgehen, wenn die Reichen herrschen und der Pöbel da ist, wo er hingehört – und als Sklaven den Boden beackert! Ihr werdet bereitwillig eingestehen, daß der Krieg die Geißel der Welt ist. Aber in freien Städten fährt der Krieg eine bessere Ernte ein als dort, wo Recht und Gesetz herrschen. Im Krieg sind weder die Menschen noch Grund und Boden noch Häuser in Sicherheit. Wir fallen in Schlachten, unser Land wird verwüstet und unser Besitz gestohlen. Nun, mein Plan ist schlicht, einfach und machbar: Wenn Ihr Euch ein bißchen in Geschichte auskennt, wißt Ihr, daß der Reichtum der Oberschicht des Alten Roms aus vielen Hundert Sklaven bestand, die man gelehrt hatte, Handel zu treiben und Kunst zu erschaffen. Die ließ man dann arbeiten, Läden führen und Geld machen, das an die Herren gingen. Sie selb...

6. Kapitel (20)

Soll man nun alle zwei Monate eine Gruppe von Räten einsetzen, die den Reichen die Macht entreißen, und einen Volkstribun, der den Pöbel hofiert, bis jeder hohe Herr vor einem Schuster den Hut ziehen muß? Diese Vorstellung finde ich schrecklich! Sind nicht Lucca, Bologna und Siena frei? Und die Seuche breitet sich in der Lombardei aus. Oh! Ich würde Gebete an jeden Heiligen im Himmel richten und sogar dem Teufel danken (aber der würde keine so gute Tat verrichten), wenn – wie einmal vorgeschlagen wurde – die Stadt Florenz dem Erdboden gleichgemacht, ihre Straßen mit Salz bestreut und ihre Bewohner wie die Juden und Slawen auf der ganzen Welt verstreut würden! Wehe dir, Farinata (Manente „Farinata“ degli Uberti (1212 – 1264), italienischer Adliger und Anführer der Ghibellinen in Florenz (Anm. d. Ü.)), weil du das nicht getan hast!“